Samstag, 20. April 2013

[Rezension] Stephanie Fey - Die Gesichtslosen (Band 1)


Vorab ein paar Eckdaten:
Seitenanzahl: 367
ISBN: 978-3-453-43586-5
Erscheinungstermin: 9. November 2011
Format: Taschenbuch

Verlag: Heyne

Klappentext gem. Heyne:
Wenn Tote nicht mehr zu erkennen sind, wenn ihr Mörder sie entstellt hat oder nur noch Skelettteile übrig sind, wird Carina Kyreleis gerufen. Die junge Rechtsmedizinerin versteht es wie kaum eine Zweite, den Toten Glanz einzuhauchen und ihnen ihre Gesichter zurückzugeben. Nachdem sie zwei Jahre als Knochen- und Mumienexpertin in Mexiko-Stadt gearbeitet hat, kehrt sie nach Deutschland zurück, um am Münchner Institut für Rechtsmedizin einen Neuanfang zu wagen. Kaum angekommen, steht sie vor ihrem ersten Fall. Ein Killer, der seinen Opfern die Gesichtshaut abzieht, um für immer ihr Antlitz zu bewahren.


Rezension:
Die 31-jährige Rechtsmedizinerin Carina Kyreleis kehrt nach dramatischen Ereignissen in Mexiko nach Deutschland zurück. Sie kann und will nicht mehr in Mexiko leben - zu viel Schmerz ist damit verbunden. Als sie ein überaus interessantes Jobangebot aus ihrer Heimatstadt München erhält, beschließt sie, nach langen Überlegungen, dieses anzunehmen, auch wenn sie sich dann wieder mit ihrer Familie auseinandersetzen muss. An sich liebt sie ihre Familie, dennoch ist es nicht immer leicht mit ihr. Ihr Vater Matthias ist ein sehr angesehener und bekannter Kriminalhauptkommissar und Leiter der Münchner Mordkommission und auch ihre Mutter Silvia ging schon immer in ihrem Beruf als Hebamme voll und ganz auf, sodass es Carina und ihre ein Jahr jüngere Schwester Wanda nicht immer leicht hatten. Wanda hingegen scheint vollkommen aus der Art geschlagen zu sein. Sie ist die Liebenswürdigkeit in Person und dennoch, im Gegensatz zu ihren Eltern, eher unstet, nicht unbedingt verantwortungsbewusst und recht unorganisiert. Dennoch schafft sie es, mit Hilfe ihrer Familie, ihr Leben und das Leben ihres kleinen Sohnes Sandro zu meistern. Die beiden Schwestern stehen sich, trotz ihrer offensichtlichen Unterschiede sehr nah und so war es auch nur Wanda, die wusste, wo sich Carina aufhielt, als diese vor Jahren fluchtartig Deutschland verließ, nur um endlich dem (gutgemeinten) Überwachungswahn ihres Vaters zu entkommen.

Noch gar nicht ganz in München angekommen, nimmt ihr Vater Carina gleich mit zu einem Tatort. Eine Frau wurde auf ihrem Sofa gefunden, anscheinend ein Angriff von ihrem Jagdhundmischling. Ob sie noch lebt oder nicht, können die Polizisten vor Ort nicht sagen, da der Hund sie nicht zum Opfer lässt. Hier lernt Carina den entzückenden Tierarzt Dr. Clemens Schäfer kennen, dem es gelingt, dem Hund habhaft zu werden und die Anwesenden können feststellen, dass das Opfer noch lebt. Doch Carina fallen gleich Ungereimtheiten auf - war dies wirklich die Tat des Hundes?

Kurz nach diesen Ereignissen beginnt Carina offiziell mit ihrer Arbeit und wird auch von den neuen Kollegen herzlich aufgenommen, nur ihre neue Chefin Professor Paula Feininger benimmt sich ihr gegenüber eher ablehnend. Eine Situation, die bei Carina auf Unverständnis stößt, immerhin hatte diese ihr noch in Mexiko das Jobangebot gemacht. Unerwartet erhält Carina eines Tages von Luise Salbeck Besuch. Diese ist überzeugt davon, vor kurzem ihre Schwester Rosa in der Stadt gesehen zu haben - wobei diese nach offiziellen Angaben schon einige Jahre tot und begraben ist. Sie bittet Carina, ihr Gewissheit zu verschaffen, dass diejenige Tote, die begraben wurde, nicht ihre Schwester ist. Solche Aufgaben gehören definitiv nicht zu Carinas neuem Aufgabengebiet und dennoch, irgendwas an Luise rührt sie, sodass sie sich tatsächlich, wider besserem Wissen, an die Recherche macht, was seinerzeit wirklich passiert ist und ob wirklich Rosa Salbeck begraben wurde. Was jedoch zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnt, das Verschwinden Rosas und der Angriff auf die Hundehalterin weisen eine Verbindung auf, die schon Jahrzehnte zurückliegt ...


Ein gelungener Auftakt! Den Plot fand ich detailliert und ansprechend ausgearbeitet, besonders gut hat mir hier das Verhältnis zwischen Carina und ihrem Vater gefallen, wo für jeden ersichtlich ist, dass sie sich lieben, Matthias jedoch, ausgerechnet seiner ältesten, mitten im Leben stehenden Tochter, nicht die Freiheiten gewähren will/kann, wie zum Beispiel der jüngeren, flatterhaften Wanda. Die Charaktere wurden sehr facettenreich und tiefgründig erarbeitet und gerade Carina und Matthias üben eine ausgesprochen starke Faszination auf mich aus - von den Beiden bekommte man, so glaube ich, so schnell nicht genug. Auch das Agieren miteinander wurde hervorragend umgesetzt. Den Schreibstil empfand ich als angenehm zu lesen, wobei ich mir an manchen Stellen doch mehr knisternde Spannung gewünscht hätte. Alles in allem kann ich sagen, dass mir der 1. Band der Elster-Reihe gefallen hat und ich auch bereites den nächsten Band "Die Verstummten" gelesen habe, dessen Rezension ebenfalls im Laufe des Tages online geht.



Bewertung


Von Stephanie Fey bereits gelesene und rezensierte Bücher:


Die Autorin:
Stephanie Fey, geboren 1967, arbeitete viele Jahre als Illustratorin und Malerin, bevor sie Schriftstellerin wurde. Sie ist verheiratet, hat drei Kinder und lebt mit ihrer Familie am Starnberger See. (von Heyne übernommen)

Zur Webside der Autorin kommt ihr hier





Wie ich zu dem Buch kam:
Nachdem Band 2 schon auf dem Weg zu mir war, musste ich mir natürlich noch unbedingt Band 1 organisieren, nichts ist schlimmer, als eine Reihe nicht von Beginn an zu lesen. Fündig wurde ich dann bei Kleeblatt und habe mir das Buch umgehend geliehen.

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